Flucht in die Magie
Immer mehr Männer sind Kunde der Fee aus Gorlice.
Zimmer Nummer 13, statt eines Schildes kurze Information „SW Alicja”. Für Eingeweihte ist das klar „Wahrsagungssalon”. Keine Schlange vor der Tür, denn jeder verabredet sich telefonisch auf bestimmte Uhrzeit. „Alicja” macht höchstens einen wöchentlichen Vorsprung im Terminkalender, will nur den Namen der Kunden wissen, sonst nichts.
– Das ist vor allem wegen der Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit – sagt sie. Die Kunden kommen aus ganz Polen. In Gorlice arbeitet sie seit 25 Jahren.
– In der Familie interessierte sich niemand für Karten. Seit immer mochte ich meinen Bekannten und meiner Familie voraussagen. Ich lese nicht über die Parapsychologie. Das ist einfach die Intuition. Wahrsagerei ist die Leidenschaft. Am wichtigsten ist, den Mensch zu verstehen, ihm seine Möglichkeiten anzuzeigen, ihm aus Seelenloch herausziehen und ihm den richtigen Lebensweg zu zeigen.
– Das kann ich dank meiner Karten. – sagt sie. Sie fügt noch gegenläufig hinzu – je häufiger ich in die Karten sehen, desto weniger ist es mir klar, woher ich das alles weiß.
Wer geht zu einer Fee? Frauen und Männer in jedem Alter. Obwohl zu Ihr überwiegend sogenannten Familiensaga, Stammkundschaft kommt.
Wie finden das Psychologen?
– Zu den Feen gehen die Menschen die Kontrolle über sein Leben haben wollen. Für die Einen wird das „was die Karten sagen” eine zusätzliche Information dazu, was sie schon aus anderen Quellen erfahren haben. Die glauben nicht unbedingt an die Wahrsagerei aber sie wollen für alle Falle wissen.
Die Anderen haben darin die Art und Weise fürs Leben gefunden, um mühelos über sein Los zu bestimmen und richtige Lebensentscheidungen zu treffen. Es gibt auch solche die aus Neugier die Fee besuchen „Weil eine Freundin da auch war und sie war zufrieden”- sagt Psychologin Grażyna Schirmer.
Sabina Kurzawa- eine Direktorin der psychologisch- pädagogischen Praxis findet, dass die Feenkunden, Leute die einen Ausweg aus der schwierigen Situation suchen und eine Unterstützung brauchen, sind.
Die Kuriosität ist, dass heutzutage auch die Männer auf diese Art und Weise Hilfe suchen, früher gab es vor allem Frauen .
Das Schema ist immer das gleiche: die Ehefrau arbeitet im Ausland, die Ehe geht in die Bruche. Die Männer sind in dieser Situation einfach ratlos, können keine Entscheidung treffen. -„Der Kerl” steht bei mir oft in Pattsituation und das zeigen auch die Karten – sagt Alicja. Es fehlt auch keine Kunden die durch Internetbekanntschaft enttäuscht sind. Das Syndrom des XXI Jahrhunderts ist die Einsamkeit, Unfähigkeit in der persönlichen Kontaktbildung und deswegen suchen sie direkt die Naheersatz im Internet. Alicja beobachtet auch eigennütziges Verhalten bei den jungen Frauen. Sie suchen den Partner der sie finanziell unterstutzen kann.
– Heutzutage gibt es keine Romantik, kein Zuhause, keine Kinder ,es zahlen keine inneren Werte des Menschen, sondern was der Mann besitzt Und wie man ihn „erobern” kann. Es herrscht vor allem Selbstsucht.
In ihrer Arbeit gab es zwei solche Falle, wo die Karten „Todeskonfiguration” gezeigt haben. Die Kunden wussten nämlich, dass sie todeskrank sind. Sie sagte ihnen direkt.
Nie sagt sie die genauen Daten und Zeit, denn die Karten sind nur eine Suggestie und kein Orakel.
Sie stellt fest, dass sich die Karten wie ein Gedichtrhythmus bilden. Sie bevorzugt die normalen Spielkarten. Tarot? Ja. Aber sehr selten. Bei Tarot gibt es eine spezifische Graphik. Wenn der Kunde einmal die „Todeskarte „ sieht, denkt er sofort an das Schlimmste. Die Karte kann aber auch die Ende einer Lebensphase bedeuten. Der Kunde sperrt sich in sich hinein, wird pessimistisch. Bei gewöhnlichen Karen ist er auf meine Interpretation angewiesen und nicht auf Visualisierung- wie bei Tarot. Sie erklärt, dass die Karten kein Orakel sind. Sie dienen um dem Mensch Hoffnung zu geben. Der Kunde entscheidet selbst. Alicja braucht Requisiten bei der Vorhersagerei. Entweder der Kunde selbst oder sein Bild. Ihre Kunden verreisten in der letzten Zeit ins Ausland, ließen sein Bild. Dann rufen sie sie aus der ganzen Welt an, und sie legt dann auch die Karten per Telefon.
Sie erinnert sich an zwei außergewöhnliche Falle in seiner Praktik. Mit Bild der gemordeten Frauen. Im ersten Fall zeigte sie den Mörder und im zweiten sagte sie, dass der Verdächtigte unschuldig ist.
Der Besuch bei einer Fee hilft oder macht dumm? – man kann sich fragen.
– Wenn die Fee erfahrene und einfühlsame Person ist, und dazu auch das Gefühl hat, kann helfen. Besonders denen, die sich in einer schwierigen Situation befunden haben. Und der Kontakt mit jemandem der extra etwas für sie macht und den Rat gibt, kann behilflich sein.
Das XXI Jahrhundert, die Zeit der Technologie, Wissenschaft und Entwicklung der Zivilisation einerseits, andererseits immer größere Interesse an Magie und Weissagerei. Woher kommt die Mode? Ist Vorhersagensalon Blick in die Zukunft oder ein gutes Geschäft?
Tomasz Bukowski weiß hin, dass der Mensch schlecht Ungewissheit und Sicherheitsmangel ertragt/ hinnimmt. Deswegen sucht er Erklärungen in der Magie. Das zeigt ihm den Weg wie er seine Existenzängste bewältigen kann. Vielleicht ist das reine Neugier, etwas Unerforschliches und Geheimliches zu erforschen? Der Verstand und das Wissen geben nicht immer die Antwort darauf. Und die Leute wollte schon seit Weltanfang mehr über das Unbekannte wissen und gesunder, schöner und glücklicher werden – sagt Grażyna Schirmer.
Sabina Kurzawa antwortet standhaft, dass Wahrsagerei ein Geschäft ist, weil wir von Natur aus naiv sind, leicht den Anderen vertrauen und vor allem denen die magische Kraft haben.
– Wenn man die Menschen liebt, kann man ihnen helfen – fasst Alicja zusammen.
Und das ist am wichtigsten. Wenn jemandem die Fee die Seele, das Herz oder die Psyche heilen kann… warum nicht?
Warum gehen die Menschen das XXI Jahrhunderts zu der free?
Alicja sagt, dass sie vor allem mit ihren Problemen kommen . Sie zahlt dabei ; Einsamkeit, Vertrauensmangel, keine Zukunftsperspektive in eigenem Land, Arbeitslosigkeit auf. Sie sieht auch, dass das Menschenverhalten mit Dekadenz überfüllt ist. Warum gehen die Menschen zu der Fee statt zu Psychologen? -Der Psychologe analysiert den Menschenzustand mit seinem psychologischen Wissen und Erfahrung, und dann entscheidet er sich für eine Therapie. Das was er imstande ist nach 10 Treffen zu erreichen, erreicht die Fee nach einem Treffen.
Es kommt selten vor, dass Jemand nach dem einstündigen Treffen traurig oder verzweifelt nach Hause zurückgeht . – Meine Kunden kommen immer wieder zurück. Wenn man die Menschen liebt, kann man ihnen auch helfen.
Frau Alicja hat viele Kunden aus ganz Polen. Aus der Kommodenschublade kippen viele Ansichtskarten mit den Grüßen aus aller Welt.
In der Stadt genießt sie einen guten Ruf. Immer häufiger hört man: sie sei „gute Fee” und erzähle den Leuten keinen Unsinn”. In der heutigen Welt ist die Gesellschaft nicht, wie in USA, gewohnt zu den Psychologen zu gehen, ist die Tätigkeit Frau Alicja heilsam.
Für Frau Alicja ist es am wichtigsten den Menschen zu verstehen, ihm zeigen welche Möglichkeiten er im Leben hat, ihm die Lebensrichtung zu zeigen. – Das kann ich, dank den Karten.
Das Gespräch mit „Alicja” führte Frau Ewa Bugno für die Krakauer Zeitung.
Krakauer Zeitung, Mittwoch, der 2. Januar 2002.